Gigantisch gespielt

Michael Schernthaner ist begeistert von dem polnischen Film „Agnieszka“

Gigantisch gespielt

Agnieszka Kaum schließen sich die Gefängnistore hinter ihr und sie ist in die Freiheit entlassen, klopft die junge Frau wieder an. Sie weiß nicht wohin. Niemand wartet auf sie da draußen. Weil man Polin Agnieszka aber nicht zurück ins Gefängnis lässt, flieht sie vor der unbarmherzigen Stadt Kattowitz und ihrer Vergangenheit dort nach Deutschland. Michael Schernthaner hat die Hauptdarstellerin Karolina Gorczyca bei den Dreharbeiten erlebt und war begeistert von ihrer schauspielerischen Leistung. „Sie spielt gigantisch“, sagt er. Sie verkörpert das Schicksal vieler jungen Menschen, die vor der ausweglosen und unbarmherzigen Situation in ihrem Heimatland in ein vermeintlich vielversprechenderes Land fliehen. Ohne die Sprache zu sprechen und ohne einen Cent in der Tasche, bestimmt aber auch dort schlagartig die Not das Leben.

Und so gerät Agnieszka an eine ehemalige Ballettdiva, die einen Escortservice leitet. Die einsame 70-jährige nimmt Agnieszka bei sich auf und bietet ihr eine Stelle als Domina in ihrem Unternehmen an. Dort bezahlen wohlhabende Männer Frauen für körperliche Züchtigung. Offiziell gelten zwei Regeln: kein Ausziehen, kein Anfassen. Als Agnieszka aber den 16-Jährigen Manuel kennenlernt, wird ihre Loyalität gegenüber Madame auf eine harte Probe gestellt.

Geschrieben und inszeniert hat das packende Drama Tomasz Emil Rudzik. Für Michael Schernthaner war es das dritte Mal, dass er mit dem jungen Regie-Talent aus Polen zusammenarbeitet. „Er führt die Schauspieler so geschickt, dass du unmerklich zum Ergebnis kommst. Und dabei ist er ein ganz toller Mensch“, erzählt Schernthaner. Der Großteil des Films wurde in Kattowitz gedreht. Für Michael Schernthaner waren es sehr eindrückliche Drehtage dort. „Kattowitze ist der Ruhrpott von Polen, hart, trist, grau in grau, bedrückend. Aber mit unheimlich warmen und herzlichen Menschen.“

Kommentare