Kaiserschmarrn

„Kaiserschmarrn“ mit Ilja Richter

Independent-Verwechslungskomödie, die mit deutschsprachiger Fernsehprominenz Porno- und Heimatfilme parodiert.

Die unabhängig finanzierte, deutsch-österreichische Produktion von Schauspieler und Regisseur Daniel Krauss („Wo es weh tut“) ist eine wilde und hemmungslos unkorrekte Satire, die das Erotik- und TV-Business gleichermaßen aufs Korn nimmt. Gerhard Polt und – sehr verschärft – Helmut Dietl mit viel (Wiener) Schmäh kommen in den Sinn, wenn ein von allen untergebutterter Sexfilmdarsteller in die Haut eines ihm gleichenden Heimatfilmstars schlüpft und beim Katastrophendreh am Wörthersee die Produktion auf den Kopf stellt.

Neben einer gnadenlos übersteuerten, farbübersättigten Farce auf Eitelkeiten und Verlogenheiten der Branche darf Antoine Monot Jr. als Alex Gaul aber auch augenzwinkernd kitschige Romcom-Momente mit Anna Kapfelsperger als Zimmermädchen Yve ausleben. Denn bei allen Geschmacklosigkeiten und Fäkalhumor beweist Krauss doch ein großes Herz für einen moppeligen Naivling in einer zynischen Welt. In dieser muss er in schmuddeligen Rammelfilmchen spielen, träumt aber, bar jeden Talents, von der Schauspielkarriere – wenn schon nicht Shakespeare, so doch wenigstens ein Heimatfilm, damit seine lungenkrebskranke Großmutter (Fernseh-Legende Grit Boettcher) in Frieden sterben kann. Diese Chance ergreift er, als er die Identität des ihm gleichenden Zacharias Zucker annimmt und fortan zwischen Porno-Set und Heimatfilm-Dreh nebenan hin- und herpendelt, dabei in die Fußstapfen eines arroganten Mistkerls tritt und überfordert mit wachsenden Problemen jongliert.

Kunst hat keine Chance, so das Credo der in krampfhaft fröhlichem Tonfall verschossenen Breitseite gegen Stars, Geschäft und Sender, die Trash statt Kultur produzieren und menschlich nur verkommene Exemplare hervorbringen. Das schreiend bunte Durcheinander voller Karikaturen und grellen Überzeichnungen wird, wenn auch nur minimal, durch eine Liebesgeschichte geerdet und schießt bisweilen über das Ziel hinaus. Was zahlreiche prominente Cameos wie Ottfried Fischer als grantelnder Hausmeister oder Ilja Richter als in einer Sänfte getragener Senderchef spielend aufwiegen. tk.

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