Ich hatte Todesangst

Alex Benkert war für Dreharbeiten zwei Wochen in Afghanistan
Alex Benkert für Dreharbeiten in Afghanistan

Ich hatte Todesangst

Alexa Benkert musste nicht lange überlegen, ob sie die Rolle annimmt. Als der afghanische Regisseur Sayed Jalal Rohani fragte, ob sie die Hauptrolle in seinem neuen Kurzfilm übernehmen wolle, war ihr sofort klar, dass sie sich auf diese Reise begeben wird. Eine Reise, die sie ganz alleine nach Afghanistan geführt hat. Was sie in diesen zwei Wochen dort erlebt hat, beschäftigt die Schauspielerin auch Wochen danach noch intensiv.
„Natürlich wusste ich, dass es ein Land im Krieg ist, aber es ist wirklich was anderes, wenn du da bist. Dort herrscht einfach Chaos. In Kabul siehst du überall Waffen, Panzer patrouillieren die Straßen, Militärhubschrauber fliegen über der Stadt und zwischen all dem Lärm wird fünf Mal am Tag gebetet. Da passt nichts zusammen.“

Ihre Augen nahmen so viel auf, erzählt Alexa Benkert, dass der Kopf kaum hinterher kam. Sie war fast froh, dass sie aus Sicherheitsgründen an drei Tagen in ihrem Zimmer bleiben sollte. So konnte sie zur Ruhe kommen und neue Kraft tanken. Kraft die sie unter anderem für ihre Rolle brauchte.

Alex Benkert fuer Dreharbeiten in Afghanistan

Der Kurzfilm „The lady with the purple shoes“ ist ein mutiger Film. Er spielt im Afghanistan von vor 40 Jahren, einer Zeit also, als Frauen dort studierten, Röcke trugen und ein selbstständiges Leben führten. In dieser Zeit lässt sich eine junge Frau von ihrem Mann scheiden. Um sich und ihr Kind ernähren zu können, geht sie anschaffen. Eines Nachts lernt sie einen reichen Mann kennen, den sie nach Hause begleitet. Die Kamera verlässt das Geschehen, als vier Männer in den Raum kommen. Am Ende wird die Leiche der Frau entsorgt.

Die Dreharbeiten in Afghanistan waren künstlerisch eine Herausforderung für Alexa Benkert. „Ich war die einzige westliche Frau im Team. Es gab Momente, in denen andere Schauspieler das Set verlassen haben, weil ich in meiner Rolle zu viel Bein gezeigt habe. Das bringe Schande über ihre Familie, sagten sie. Dann fiel der Strom ständig aus und Schauspieler kamen einfach nicht. Eines Nachts konnten wir eine Szene erst nicht drehen, weil auf der Straße gerade einer von fünf Selbstmordattentätern gesehen worden war. Als wir nach Stunden endlich gedreht haben, ging es nur darum, die Szene möglichst schnell im Kasten zu haben. Da war kein Raum um intensiv auf mein künstlerisches Befinden einzugehen. Ich konnte mich gar nicht so tief in die Rolle rein begeben, wie ich das sonst tue, weil die äußeren Umstände das kaum zugelassen haben“, erzählt sie.

Alex Benkert für Dreharbeiten in Afghanistan

Gleichzeitig traf Alexa Benkert auf unglaublich starke, hoffnungsvolle Menschen. Wie zum Beispiel einen jungen Fußballspieler der Nationalmannschaft, der nebenbei studiert. Als vor einiger Zeit ein Anschlag auf die Universität in Kabul verübt wurde, sah er nicht nur die Attentäter, sondern hat auch zwei seiner Freunde dabei verloren. Dennoch hat er schnell wieder nach vorne geschaut, das Leben müsse eben weitergehen, erzählte er Alexa Benkert. „Hautnah mitzuerleben, wie die Menschen leben, war teilweise schwer auszuhalten. Ich bereue nicht, diese Reise gemacht zu haben, aber es war teilweise echt hart, emotional und mental.“

Der Film soll in Afghanistan gezeigt werden. Vielleicht wird er seinen Weg dann auch nach Europa finden, so wie es andere Filme des Regisseurs vorher schon geschafft haben.

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